Zwischen Hysterie und Euphorie: Kompetenter Umgang mit digitalen Medien

v.l.n.r.: Ralf Bolhaar (FH Münster), Marie-Theres Kastner (Vorsitzende der KED Münster), Dr. Walter Brinkmann (Stellv. Schulleiter der Geschwister-Scholl-Realschule), Harald Holt-wick (Rektor der Grundschule am Kinderbach)

„Kinderuhren mit Abhörfunktion oder ein in den Backenzahn implantiertes Telefon sind schon heute Realität“, führt Ralf Bolhaar, Dipl.-Sozialarbeiter und Lehrkraft an der FH Münster, in die aktuellen Entwicklungen rund um die Digitalisierung ein. Unter dem Titel „Digital total? – Technische Mediennutzung in der Schule und warum die Kreidezeit noch nicht zu Ende ist“ hatte ihn die Katholische Elternschafts Deutschlands (KED) im Bistum Münster e.V. in Kooperation mit den Schulen des Schulzentrums Kinderhaus im Pädagogischen Zentrum eingeladen.

Bolhaar erläuterte vor mehr als 50 Anwesenden die Mediennutzung von Jugendlichen. Der Umgang mit Medien bringe aufgrund der fast unbegrenzten Spiel-, Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten viele Vorteile und mache zudem auch Spaß. Schon 92% der 12- bis 13-Jährigen besäßen ein Smartphone, die Nutzungstendenz stiege in allen Altersgruppen – auch bei den Senioren - deutlich an. Es gebe laut Bolhaar aber auch Risiken: „Laut aktuellen Studien zum Medienverhalten schauen Kinder und Jugendliche im Durchschnitt fast im 5-Minuten-Takt auf ihr Smartphone, aber auch Erwachsene lassen sich stündlich mehrmals durch das Handy ablenken.“ Insbesondere bei Jugendlichen spiele für die intensive Nutzung auch der Gruppendruck eine wichtige Rolle „Fühlen sich Teenager genötigt, auf jede Whats-App-Nachricht zu reagieren oder nicht aus dem Online-Spiel auszusteigen, können sogar Burnout-Symptome wie Schlafstörungen, Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten“, verdeutlichte Bolhaar.

Der Umgang mit Medien an der Schule werde europaweit kontrovers diskutiert. So wurde in Frankreich sogar ein gesetzliches Verbot von Smartphones an Schulen erlassen. In Deutschland geht man individuellere Wege. „Unseren Schülerinnen und Schülern ist es bis zur Oberstufe untersagt, in ihren Pausen das Smartphone zu benutzen, so finden wieder mehr persönliche Gespräche statt“, so Ralf Cyrus, Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Die Entscheidung sei zwischen Eltern, Schülern und Lehrern nach längerer Diskussion in der Schulkonferenz getroffen worden.

„Heutzutage stellen wir fest: Kinder arbeiten gerade in der Schule oft sehr motiviert mit digitalen Medien – die Lerneffekte hängen aber vom fachgerechten Einsatz und einer guten thematischen Passung ab“, erläuterte Bolhaar. Voraussetzung für positive Auswirkungen sei die Förderung der Medienkompetenz bei Lehrenden und Schülern. Dazu gehöre die frühzeitige Förderung gezielter Anwendungen in den Bereichen Texterstellung, Bildbearbeitung und Recherchearbeiten, aber auch die Vermittlung sozialer Regeln und Haltungen im Umgang mit WhatsApp und Instagram.

Zum Schluss appellierte Ralf Bolhaar nochmal an die Anwesenden: „Was Kinder brauchen, sind positive Erlebnisse auch ohne Medien. Treffen mit Gleichaltrigen, Zeit mit der Familie, ein regelmäßiges Hobby, Zeit in der Natur, ausreichend Schlaf – dann erübrigt sich meist die minutengenaue Berechnung und Begrenzung der Medienzeiten.“

Marie-Theres Kastner, Bundes – und Diözesanvorsitzende der KED, betonte: „Eltern sind auch Vorbilder für Kinder bei der eigenen Mediennutzung. Das gesprochene Wort, die zwischenmenschliche Interaktion bringt oft mehr als ein „Daumen hoch“ per WhatsApp!“

Die nächste Veranstaltung „Mit Kindern nach Gott fragen, Gott in Bildern suchen, über Gott sprechen“ findet am 12. November 2018 um 19:30 Uhr im Pfarrer-Eltrop-Heim, Wolbecker Straße 121, statt.

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