NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat vergangene Woche im Landtag angekündigt, dass sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte flächendeckend mit digitalen Geräten ausgestattet werden sollen.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung der KED vom 01.07.2020 zu diesem Thema:

 

Corona-Pandemie als Brandbeschleuniger

Warendorf, 01.07.2020 – NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat vergangene Woche im Landtag angekündigt, dass sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte flächendeckend mit digitalen Geräten ausgestattet werden sollen: „Wer Lernen auf Distanz anordnet, muss das auch ermöglichen.“ Und NRW-Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer ließ in einer Pressemeldung verlauten: „Meine Aufgabe als Schul- und Bildungsministerin ist zum einen, die Schulen bestmöglich auf das anstehende Schuljahr vorzubereiten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Lehrkräfte trotz der äußeren Umstände guten Unterricht machen können. Zum anderen bleibt es mir besonders wichtig, dass unseren Schülerinnen und Schülern durch die Coronavirus-Pandemie keine Nachteile für ihre weiteren Bildungs- und Lebenswege entstehen.“

Hehre Ziele, die sich die verantwortlichen Politiker und Politikerinnen auf die Fahne geschrieben haben. Wenn ich mir die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Schülerinnen und Schüler und ihre Familien so anschaue, ist die Frage nach Gerechtigkeit und Chancengleichheit durchaus zu stellen.

Die Kinder konnten wochenlang nicht in die Schule gehen. Home-Schooling – der Begriff hat sich hier für eingebürgert, obwohl eigentlich etwas ganz anderes damit gemeint ist, wurde zum Gebot der Stunde. „Das Problem dabei war und ist aber, dass sich die Politik die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen zwar auf ihre Fahnen geschrieben hatte, sie aber gleichzeitig nicht mit der zeitlichen Entwicklung im Vergleich zum Fortschreiten der Digitalisierung in Gesellschaft und Wirtschaft mithalten konnte. Es fehlte an Geräten, WLAN-Anschlüssen und auf diesem Gebiet ausreichend fitte Lehrer. Diese Entwicklung schadet unseren Kindern.“, so Marie-Theres Kastner, die Vorsitzende der KED im Bistum Münster e.V.

Sie betont, dass gleichzeitig viele Eltern unter einem enormen Druck stehen, da Sie auf der einen Seite Hilfslehrer für ihre Kinder sein und auf der anderen Seite selbst ihrem Beruf nachgehen müssen. „Das ist der nächste Problembereich.  Viele Kinder, die keine Unterstützung zuhause erhalten, bleiben derzeit oft vollkommen auf der Strecke: sei es durch Sprachbarrieren in der Familie oder dem Zusammenbrechen familiärer Alltagsstrukturen. Diese Kinder laufen vollkommen unter dem gesellschaftlichen Radar. Lehrerinnen und Lehrer berichten, dass sie von manchen Kindern seit Beginn der Schulschließungen trotz Kontaktversuchen nichts gehört haben. Kinder mit vielen Geschwistern auf engstem Raum haben keine Möglichkeiten, sich einen ruhigen Arbeitsplatz zu suchen und können teilweise seit Wochen keine bearbeitenden Unterrichtsmaterialien o.ä. abgeben. Von Chancengleichheit keine Spur. Hier entsteht eine Lücke, von der völlig unklar ist, wann und wie sie wieder geschlossen werden kann. Die Leidtragenden sind die Kinder.“

Die Corona-Krise macht das Schulsystem nicht schlecht. Es wirkt vielmehr wie ein Brandbeschleuniger, der System-Schwächen aufdeckt und die bereits bestehende Ungleichheit unter den Kindern noch verstärkt. „Daher ist es wichtig, dass allen Kindern nach den Sommerferien wieder ein geregelter Zugang zu Struktur, Bildung und Kontakt zu den Bezugspersonen ermöglicht wird. Gleichzeitig ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Schülerinnen und Schüler, die benachteiligt sind, aufgefangen und unterstützt werden, damit sie nicht durchs Schul-Raster fallen. Sonst droht eine Spaltung der Gesellschaft, bei der die unteren Gesellschafts-Schichten die Verlierer sind.“, so die Forderung von Frau Kastner.

09.07.20