05. Juli 2019: Veranstaltung mit dem Canisius-Gymnasium in Ahaus

Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, KED-Vorsitzende Marie-Theres Kastner und Nils Hakenes, Leiter des Canisiusgymnasiums (v.l.n.r.)

Münster/Ahaus, den 05.07.2019 „Hilfe, ich habe eine 2“ - so lautete der provokative Titel für eine Veranstaltung, die in Zusammenarbeit zwischen der Katholischen Elternschaft im Bistum Münster und dem Canisius-Gymnasium in Ahaus am 03. Juli stattfand. Im Mittelpunkt des Vortrags und der sich anschließenden Diskussion mit Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort ging es um Burnout und Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Prof. Schulte-Markwort konnte aus seinem reichen Erfahrungs-schatz als Leiter der größten Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamburg-Eppendorf berichten, dass mit ca. 20% die psychiatrischen Erkrankungen bei Kindern den höchsten Anteil an Kinderkrankheiten darstellen und dass leider nur rund 50% dieser Erkrankungen überhaupt erkannt und dann auch behandelt würden. „Das ist ein Skandal in so einem hoch zivilisierten Land wie Deutschland,“ so seine Aussage.

Die Kinder und ihre Familien, so führte er weiter aus, seinen einem erhöhten Druck in der Gesellschaft ausgesetzt. „Unser ganzes Gesellschaftssystem ist oekonomisiert, und wir können uns dem eigentlich auch nicht entziehen. Es soll auf allen Gebieten immer nur vorwärts gehen, Stillstand darf es nicht geben! So ist das Bestreben, möglichst gute Abschlüsse für die Kinder zu erreichen, durchaus nachvollziehbar. Nur dann stünden ihnen alle Wege offen! Das hat sich auch bei den Kindern und Jugendlichen festgesetzt, und damit entsteht in den Schulen mehr Druck als früher“ so Prof. Schulte-Markwort. Er beneide die Lehrerinnen und Lehrer nicht, da der Druck, gute Noten zu vergeben, ihnen auch viel Kopfzerbrechen bereite; zumal heute immer wieder Eltern ihre Schulwahl nach der Anzahl der erreichten 1,0 Abiturnoten treffen.

Erschöpfungszustände der Kinder ausschließlich der Schule anzulasten, hielt der Referent für gewagt. Für ihn finge es schon bei den Familien an. Der größte Risikofaktor für das Entstehen von Erschöpfungszuständen bei Kindern und Jugendlichen sei ein hohes Maß an häuslichen Konflikten. In nicht wenigen Familien seien solche Konflikte auch Ausdruck einer Überforderung der Partner,  weil sie viel zu viel auf einmal schultern müssten. Mütter seien da besonders zu nennen, da sie viele Berufe gleichzeitig ausübten: Erwerbstätigkeit, Hausaufgabenbetreuerinnen und Nachhilfelehrerinnen, Taxifahrerinnen, um nur einige Beispiele zu benennen.

Für die Schulen riet Prof. Schulte-Markwort dringend dazu, sich endlich der Aufgabe zu stellen, die Lehrpläne zu entschlacken. Nur so könne es gelingen, mehr Zeit für die Kinder und Jugendlichen im Schulalltag zu erhalten und echte Beziehungen zu den Kindern aufzubauen. Dazu gehöre vor allem der Respekt vor der Persönlichkeit der Kinder und das Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Das sei heute anders als vor vielen Jahren. „Wer Kindern Respekt und Vertrauen entgegenbringt, wird selber Respekt und Vertrauen ernten. Und damit ist viel für die seelische Gesundheit der Kinder getan!“ beschloss Prof. Schulte-Markwort seine Ausführungen.

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