Digitale Schule – Fitmachen für das 21. Jahrhundert

Vor der Corona-Pandemie konnte man Schülerinnen und Schüler nach Schulschluss dabei beobachten, wie sie hektisch ihre Smartphones zückten und ihre Finger über die Displays rasen ließen: das Ergebnis einer handyfreien Schule, die so tat, als würde sich das digitale Zeitalter nur draußen abspielen. Ein fataler Irrtum, wie die Covid-19- Lockdowns offenbarten. Denn plötzlich sollten alle digitalen Unterricht halten und genießen.

Mechtild Frisch, Schulleiterin des Bischöflichen Gymnasiums St. Michael in Ahlen, hat sich schon vor mehreren Jahren mit ihrem Kollegium der Herausforderung gestellt und sich die Digitalisierung ihrer Schule auf die Fahnen geschrieben. „2019 wurden wir dann als digitale Schule zertifiziert“, konnte sie den über 60 interessierten Eltern, Lehrerinnen und Lehrern in der digitalen Infoveranstaltung  
„Digitale Schule – die große Herausforderung dieser Tage“ der Katholischen Elternschaft Münster (KED) im Bistum Münster e.V. berichten.

„Das gesamte Kollegium hat sich sehr intensiv an diesem ganzen Entwicklungsprozess beteiligt, um die digitale Schule einzuleiten, aber auch mitzugestalten. Das ist der entscheidende Faktor dafür, dass wir mit der digitalen Schule so weit vorangekommen sind,“, freut sich die Schulleiterin über die Tatkraft ihres Lehrkörpers. „Seit vier Jahren gibt es bei uns fächerübergreifende Fortbildungsteams, die an Fortbildungen innerhalb und außerhalb der Schule teilnehmen und auch kollegiale Fortbildungen durchführen.“ Nach anfänglichen Bedenken hätten sich mittlerweile auch die weniger digital Kundigen von der Dynamik anstecken lassen. Das gesamte Kollegium unterstütze sich mittlerweile gegenseitig.

„Aufgabe von Schule ist es, die für das 21. Jahrhundert notwendigen Kompetenzen zu erwerben und in den Unterricht zu integrieren, um die Schülerinnen und Schüler auf die sich rapide verändernden Lebenswelten vorzubereiten“, erzählt Frisch. „Eine digitale Schule hat das Ziel, neben traditionellen Lehr- und Lernformen offene Lernszenarien zu gestalten und eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten zu ermöglichen.“ Das bedinge auch ein erweitertes Rollenverständnis der Lehrkräfte – weg vom reinen Wissensvermittler hin zum Lernbegleiter. „Die digitale Schule ist ein Teilelement eines gesamtgesellschaftlichen Transformationsprozesses. In dieser Situation muss die Schule eine Form von Orientierung bieten und diese konsequent in den Unterricht einbinden.“ Deswegen habe St. Michael neue Formen des Unterrichtens mit digitalen Medien entwickelt und umgesetzt. Dies geschah nicht über Nacht oder Köpfe hinweg.

Marie-Theres Kastner, Diözesanvorsitzende der KED im Bistum Münster, interessierte es besonders, wie dafür Sorge getragen werden könne, dass die Schülerinnen und Schüler bei ihren digitalen Recherchen und Selbstlernprozessen davor bewahrt werden können, unrichtigen und gezielt falschen Inhalten aus dem Wege zu gehen, also wirkliche Medienkompetenz zu erreichen .
 „Dazu haben wir ein Gesamt-Medienkonzept entwickelt, das zunächst Schülerinnen und Schüler zu einem sachgemäßen und sicheren Umgang mit digitalen Medien befähigt. Das kann aber nur im Präsenzunterricht geschehen“, so die Schulleiterin. „Dazu muss man die Schülerinnen und Schüler vor sich haben, ihnen über die Schulter schauen oder sich auch einmal neben sie setzen, um ihnen das System das digitalen Lernens zu vermitteln.“

„Es ist mir als Schulleiterin besonders wichtig zu betonen, dass Medienkompetenz nicht nur bedeutet, die Technik zu beherrschen. Kompetenz heißt auch, Quellen einordnen und bewerten zu können. Auf der Grundlage des Leitbilds unserer Schule bekommen die Kinder hier die Begleitung unserer Kolleginnen und Kollegen“, so Mechtild Frisch. Das gelte ganz besonders für die Quellenauswahl. Hier bedürfe es unbedingt der Begleitung durch die Lehrkräfte.  

Durch einige Beispiele aus dem Schulalltag untermauerte Frau Frisch zum Ende ihrer Ausführungen in beeindruckender Weise, wie sich Lehren und Lernen am St. Michael-Gymnasium im Laufe der letzten Jahre geändert hat.